Verkaufsfreie Sonntage in Münster

Stellungnahme des Evangelischen Kirchenkreis Münster zu den Anliegen des Bürgerbegehrens Freier Sonntag


„Gott sei Dank, es ist Sonntag!" - Unter diesem Motto wirbt die Evangelische Kirche bundesweit, und auch in Münster, für die Beibehaltung der verkaufsfreien Sonntage und hat dabei das Gesetz auf ihrer Seite. Das Bundesverfassungsgericht legt in seinem Urteil vom 1.12.2009 unmissverständlich - und besonders im Hinblick auf die Adventssonntage - dar, dass bloße wirtschaftliche Interessen und das „Shoppinginteresse" der Kunden grundsätzlich nicht genügen, um Ausnahmen von der Arbeitsruhe zu rechtfertigen.

Damit liegen die Ziele des Bürgerbegehrens ,Freier Sonntag Münster' auf einer Linie mit den seit langem vertretenen Positionen des Evangelischen Kirchenkreises Münster.

Die Evangelische Kirche setzt sich für den Schutz der verkaufsfreien Sonntage aus mehreren Gründen ein.

Zum einen stellt die Sonntagsruhe ein Kulturgut in unserem Land dar, wie es vergleichbar kaum noch in irgendeinem Land erfahrbar ist. Für jeden Menschen und für jede Gesellschaft ist der Rhythmus von Arbeit und Ruhe, Anspannung und Ausspannung, Gefordertsein und sich fallenlassen, Werktag und Sonntag lebensnotwenig. Missachtung dieses natürlichen Wechsels lässt den Einzelnen wie die Gemeinschaft seelisch und körperlich erkranken.

Zum zweiten hat sich der Sonntag als eine Zeitspanne für Paare und Familien etabliert, um verlässlich Zeit miteinander verbringen zu können. Zeit ist kostbar geworden in unseren Tagen, und dieser Wert wird sich niemals durch Verkaufszahlen darstellen lassen, sondern durch die Möglichkeit des gemeinsamen Essens, Spielens, Feierns und der gemeinsamen Freizeitgestaltung.

Zum dritten benötigen wir als Gesellschaft gerade in einer immer hektischer werdenden Zeit verlässliche gemeinsame Zeiten, die den üblichen Arbeitsrhythmus unterbrechen und frei gehalten werden. Dies dient der Förderung von Sozialbeziehungen und der Pflege gesellschaftlicher, sportlicher, kultureller und nicht zuletzt auch religiöser Aktivitäten.

Zum vierten wird die Forderung immer lauter, inmitten einer immer schnelleren, auf Konsum und Leistung hin ausgelegten Welt verbindliche Auszeiten beizubehalten oder wieder einzuführen. Menschen sind keine Maschinen. Ihr Wert bemisst sich nicht danach, in welchem Umfang sie Geld ausgeben. Der freie Sonntag verkörpert die sichtbare Freiheit des Menschen von einer rein ökonomisch orientierten Lebensweise. Zum Menschsein gehört mehr als Produzieren und Konsumieren.

Insbesondere stellt die Adventszeit aus christlicher Sicht eine Zeit der Besinnung, des lnnehaltens und der Umkehr dar. Gerade wegen der fortschreitenden Kommerzialisierung der vorweihnachtlichen Zeit und wegen der besonderen Belastungen der Beschäftigten im Weihnachtsgeschäft halten wir es für dringend geboten, die Öffnung der Läden an den Adventssonntagen nicht zu gestatten.

Es ist zu begrüßen, wenn über die Frage einer Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage eine öffentliche Debatte in der Stadtgesellschaft Münsters geführt wird.

Münster, den 19. Mai 2016

Meike Friedrich
Superintendentin

Martin Mustroph
Regionalpfarrer Münster